Felix Hartlaub (1913-1945)

Text über Felix Hartlaub (Audiodatei, 2m03s). Sprecherin: Katrin Kobberger

Felix Hartlaub (1913-1945)
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Foto: Felix Hartlaub, 1939 / Unbekannt / © DLA

Textquelle Audiodatei: Webseite Felix Hartlaub Gesellschaft. Sprecherin: Katrin Kobberger


"Am besten erzähle ich einfach, was sich mir täglich sichtbar zeigt; vielleicht kommt man gerade damit dem Unsichtbaren, das natürlich das Entscheidende ist, am nächsten".
Felix Hartlaub


"Einen so unbestechlichen Blick wie den seinen hat es in der Literatur nach 1945 nicht mehr gegeben".
Hans Magnus Enzensberger, 2019


"Kein anderer Schriftsteller seines Alters ist damals erzählerisch soweit vorgedrungen in die innerzivilisatorischen Wüsten der Weltkriegszeit, keinen hat Entwurzelung in solche Hellseherei getrieben. Es ist Zeit, diesen verheißungsvollen Autor unter der Tarnkappe hervorzuziehen".
Durs Grünbein, FAZ, 9.5.1995.




Zeittafel

17. Juni 1913
Felix Hartlaub wird in Bremen als Sohn des Kunsthistorikers Dr. Gustav Friedrich Hartlaub und seiner Frau Félicie, geb. Meyer, geboren


1913/14
Umzug der Familie nach Mannheim, wo Gustav Friedrich Hartlaub eine Stelle an der Kunsthalle Mannheim annimmt


1915
Geburt der Schwester Genoveva


1918
Geburt des Bruders Michael


1923 bis 1928
Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim, es entstehen die ersten Prosaarbeiten


1928 bis 1932
Besuch der Odenwaldschule bei Heppenheim/Bergstraße; er verfasst das Laienstück Der Bundschuh


April bis Juni 1930
Als Austauschschüler in Straßburg, lebt in der Familie von Maurice Halbwachs


Mai 1930
Tod der Mutter


1932
Abitur


1932 bis 1933
Handelshochschule Mannheim. Erzählung Die Reise des Tobias


1933
Studienaufenthalt in Italien


März 1933
Amtsenthebung des Vaters durch die Nationalsozialisten


1933 bis 1934
Studium der Romanistik und Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Novelle Parthenope oder das Abenteuer in Neapel


März 1934
Arbeitsdienst in Achern/Sasbachwalden


1934 bis 1939
Studium der Neueren Geschichte, Romanistik und Kunstgeschichte an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin bei Walter Elze und Wilhelm Pinder. Enger Kontakt zur Familie Gysi.


1935 bis 1938
Berliner Tagebuch


Februar 1939
Promotion über Don Juan d´Austria und die Schlacht bei Lepanto bei Walter Elze


1939
Erzählung Breughels Affe


September 1939
Eingezogen zur Wehrmacht. Sperrballon-Einheit in Bad Saarow, Kaiser-Wilhelm-Kanal, Ruhrgebiet, Wilhelmshaven. Kriegsaufzeichnungen aus Deutschland


Dez. 1940 bis Aug. 1941
Reklamation zur Historischen Archivkommission des Auswärtigen Amtes nach Paris. Kriegsaufzeichnungen aus Paris


Sept. bis Nov. 1941
Eingezogen zur Wehrmacht, Ploiesti/Rumänien. Kriegsaufzeichnungen aus Rumänien


Nov. 1941 bis Mai 1942
Tätigkeit als historischer Sachbearbeiter in der Abteilung Wehrmachtskriegsgeschichte beim Oberkommando der Wehrmacht in Berlin


Mai 1942 bis März 1945
Versetzung in die Abteilung »Kriegstagebuch« des OKW/WFSt; Führerhauptquartier »Werwolf« bei Winniza in der Ukraine; »Wolfsschanze« bei Rastenburg/Ostpreußen und in Berchtesgaden. Aufzeichnungen aus dem Führerhauptquartier


Januar 1945
Erzählung Mond und Pferde


Anfang April 1945
Letzter Urlaub bei der Familie in Heidelberg


April 1945
Abkommandierung zur Infanterie. Hartlaub sollte sich bei einer Kampfformation in der Seeckt-Kaserne in Spandau melden, wo er jedoch nicht eintraf. Er gilt seitdem als vermisst.


Oktober 1955
Hartlaub wird vom Amtsgericht Heidelberg offiziell für tot eklärt, als Zeitpunkt des Todes wird der 31. 12. 1945 festgelegt.



Wer war Felix Hartlaub?
Felix Hartlaub wäre einer der großen Schriftsteller der Nachkriegsliteratur geworden. Seine Spuren verlieren sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in den Wirren der Kämpfe um Berlin. Felix Hartlaub zählt zu jenen zahlreichen Opfern, die als vermisst gelten und spurlos verschwunden sind. Sein schmales Oeuvre, postum veröffentlichte Prosatexte und Briefe, blieb ein Geheimtipp unter Kennern.

Felix Hartlaub wurde am 17. Juni 1913 in Bremen geboren. Er war Sohn des Kunsthistorikers Gustav Friedrich Hartlaub, der im März 1933 als engagierter Direktor der Kunsthalle Mannheim von den Nationalsozialisten seines Amtes enthoben wurde. Felix Hartlaub besuchte die Odenwaldschule in Heppenheim. In Berlin studierte er Neuere Geschichte, Romanistik und Kunstgeschichte. Sein kurzes Dasein war geprägt von zwei Weltkriegen. Es überrascht nicht, dass der Krieg und was er aus den Menschen macht, Hartlaubs Lebensthema wurde. Hartlaub war Rekrut bei der Wehrmacht, reiste als historischer Sachbearbeiter ins besetzte Paris und verfasste schließlich im sog. Sperrkreis II der Führerhauptquartiere Teile des Kriegstagebuchs des Oberkommandos der Wehrmacht.

Unter dem Begriff der „Tarnkappe“ wurde der Name Felix Hartlaub postum zum Begriff in der Literaturgeschichte. Hartlaubs Schilderungen und Prosaskizzen aus dem Berlin der 30er Jahre, seine Aufzeichnungen als Soldat bei der Wehrmacht, seine bedrückenden Impressionen aus dem besetzten Paris und nicht zuletzt seine Beschreibungen des skurrilen Innenlebens der Führerhauptquartiere Werwolf, Wolfsschanze und des Sonderzugs Atlas gehören zum Besten, was die Literatur jener Jahre zu bieten hat.

(Textquelle: Webseite Felix Hartlaub Gesellschaft)